August 2017

Ist psychische Belastung messbar?

Alexandra Gerstner

Den formalen Rahmen für die Gestaltung guter und gesunder Arbeitsbedingungen gibt das Arbeitsschutzgesetz. Seit 2013 ist dort explizit beschrieben, dass Arbeit so zu gestalten ist, dass auch eine Gefährdung der psychische Gesundheit vermieden wird.

Der systematische Prozess dazu nennt sich „Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung“. Keine Frage – dieser Begriff ist mehr als sperrig. Jedes einzelne Wort reicht schon für sich genommen aus, dass man sich gruselt. Da hilft es auch nicht wirklich weiter, dass „Belastung“ neutral definiert wird. Gemeint sind damit alle erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen einwirken.

Worum geht es?

In der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung werden die Arbeitsbedingungen genau analysiert. Es geht um die Frage, welche Arbeitsbedingungen die Gesundheit stärken. Und welche Arbeitsbedingungen Stress auslösen, unzufrieden oder gar krank machen.

Da die Auswirkungen der psychischen Belastung von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, gibt es für die psychische Belastung keine Grenzwerte wie etwa bei Lärm oder Gefahrstoffen. Dies macht die Erfassung der psychischen Belastung so besonders.

Was macht krank und was stärkt die Gesundheit?

Es liegen viele Studien vor, die sowohl Stressoren als auch Ressourcen bei der Arbeit untersucht haben. Verdichtet man diese Studienergebnisse, lassen sich daraus vier Themen ableiten:

  • Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe
  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsumgebung
  • Soziale Beziehungen

Im Fokus steht die Beurteilung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Und dies kann nicht oft genug betont werden: Es geht um den Arbeitsplatz, um die Rahmenbedingungen der Arbeit.
Ziel ist, die Gefährdungen durch die psychische Belastung bei der Arbeit zu minimieren. Das psychische Befinden oder die Belastbarkeit von Einzelnen ist kein Thema der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung.

Wie wird die psychische Belastung gemessen?

Um die psychische Belastung in Ihrem Unternehmen systematisch zu erfassen, können Sie eine schriftliche Befragung durchführen. Am besten nutzen Sie dafür eines der validierten Instrumente. Oder Sie nutzen die Chance, im Dialog mit den Mitarbeitenden herauszuarbeiten, wo der Schuh drückt, was die Arbeit erschwert und welche Ideen es gibt, um die Situation zu verbessern.

Schriftliche Befragung

Schriftliche Befragungen haben den Vorteil, dass die Daten objektiv und anonym erfasst werden. Alle Mitarbeitende können sich an der Befragung beteiligen. Allerdings sind schriftliche Befragungen sehr aufwändig und die Ergebnisse meist nicht so aussagekräftig, dass daraus unmittelbar Lösungen für die Verbesserung der Arbeitssituation abgeleitet werden können. Es braucht also in jedem Fall weitere Schritte, um konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Moderierte Workshops

Ich bin davon überzeugt, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung weit mehr ist, als eine lästige Pflicht. Vielmehr liegt darin die Chance, gemeinsam Arbeit zu gestalten. Sind Führungskräfte und Mitarbeitende aktiv am Prozess beteiligt, werden passgenaue Maßnahmen entwickelt und echte Verbesserungen ermöglicht. Konsequent umgesetzt, läuft die Arbeit besser. Beispielsweise weil Rollen und Schnittstellen geklärt sind und die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Teams läuft. Um die Chance zu nutzen, sind moderierte Workshops die Methode der Wahl.

In moderierten Workshops werden die Belastungen differenziert betrachtet. Die Analyse der psychischen Belastung orientiert sich an der konkreten Arbeitssituation und geht verglichen mit der schriftlichen Befragung deutlich mehr in die Tiefe. Bereits im Workshop werden erste Lösungsideen entwickelt. Die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden ermöglicht, dass sie ihre Erfahrungen einbringen und Verantwortung übernehmen.

Da bereits im Workshop erste Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation auf den Weg gebracht werden, ist damit auch vorbereitet, dass der Prozess weitergeht. Wie wichtig es ist, am Thema zu bleiben lesen Sie hier.

Es lohnt sich

Wenngleich die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung aufwändig ist, lohnt es sich, der psychischen Belastung auf die Spur zu kommen. Themen, die ohnehin vorhanden sind und die Arbeit beeinträchtigen, werden an die Oberfläche geholt und bearbeitet. Arbeitsabläufe werden optimiert, die Zusammenarbeit verbessert und mehr Wertschöpfung erzielt. Arbeit wird gemeinsam gestaltet.

 

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